Mit Baby auf Kreuzfahrt

Ein Reisebericht von Angelika Bucerius

Goht’s no?, geschimpft im Allgäuer Dialekt ist die erste Reaktion. Mit unserer sechs Monate halten Tochter wollen wir auf der Aida Vita für zwei Wochen nach England, Schottland und Norwegen fahren und stoßen daheim auf Unverständnis. Doch wer glaubt, mit Baby auf Reise erlebt man nichts außer Windelwechseln und Breifüttern, war noch nicht auf Kreuzfahrt.

Mit Baby im Kinderwagen gehen wir in Hamburg mit 1.000 weiteren Passagieren an Bord. Die Kleine findet alles spannend, vor allem, weil sie ständig von Gästen angesprochen wird, die ihr ein Lachen zu entlocken versuchen. Als wir die Kabine erreichen, haben wir viele Passagiere kennengelernt.

Ob es an dem ausgiebigen Flirten mit unseren Mitreisenden oder am schaukelnden Schiff liegt: In den Nächten schläft das Kind besser als zu Hause. Wir entspannen uns und genießen die Reise. Da unsere Tochter noch keinen Bewegungsdrang hat, sind die Busausflüge unproblematisch. Quengelfrei fahren wir Stunden durch die schottischen Highlands.

Haggis auf dem Pooldeck

Mit Kind vor den Bauch geschnallt, erklimmen wir die Stufen des Turms der Burgruine Urquhart Castle am Loch Ness. Dort hängen die Wolken tief und schwer über dem See, der zwischen schwarz-grauen Bergen eingeklemmt ist. In dieser Stimmung können wir uns gut vorstellen, dass plötzlich das sagenumwobene Seeungeheuer Nessie aus dem Wasser direkt vor uns auftaucht.

Das Küchenteam spendiert zum Abschied von Schottland das Nationalgericht Haggis auf dem Pooldeck. Unsere Tochter zappelt wie wild, als sie den wenig reizvoll aussehenden braunen Klecks auf dem Teller sieht. Wir lassen sie von dem Gemisch aus Innereien vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl probieren. Sie zögert. Dann sperrt  sie den kleinen Mund weit auf. Adieu Kartoffel-Karotten-Brei.

Bereits Hunderte Kilometer entfernt auf der Überfahrt von Großbritannien nach Norwegen sehen wir die noch schneebedeckten Berge. Je näher wir der Küste kommen, desto eindrucksvoller sind die schroffen Felsen vor dem schier endlosen Meer.

Schlendern statt Sightseeing-Stress

Selbst im sonst so verregneten Bergen ist es sommerlich warm und wolkenlos. Stavanger erkunden wir zu Fuß und fühlen uns wie Einheimische, die ihren Nachwuchs spazieren schieben. Ohne Kind wären wir jetzt von einer Sehenswürdigkeit zum nächsten Museum gehetzt. In ruhigem Tempo lassen wir den Kinderwagen über das Kopfsteinpflaster des heimeligen Viertels Altes Stavanger hoppeln. Von Alesund geht es mit Bus und Fähre zum Berg Roalden im Skigebiet Strandafjellet. Eine Gondel bringt uns auf 1.042 Meter Höhe. Oben sind wir von Schnee umgeben. Es ist berührend schön, vielleicht auch deshalb, weil wir es zu dritt erleben.

 

 

Informationen

Auf Aida-Schiffen können Kinder ab sechs Monaten mitreisen, auf Routen mit drei oder mehr Seetagen am Stück müssen sie mindestens zwölf Monate alt sein. Kinder bis zu zwei Jahren, auf manchen Routen bis 17 Jahre, wohnen gratis bei den Eltern. Auf der Vita werden Kids ab drei betreut. Auf den neuesten Schiffen Prima, Perla und Nova gibt es Mini Clubs für Babys zwischen sechs und 36 Monaten. Wer seine Kinder in der Altersgruppe betreut haben möchte, muss dies kostenpflichtig anmelden. Baby-Ausstattung sollte bei der Buchung vorbestellt werden. Neben Baby-Bett, -Badewanne und Babyphone steht auf manchen Schiffen auch ein Dampfsterilisator zur Verfügung. Alternativ können Flaschen in der Bordküche abgekocht werden.

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